Es war einmal …….- so beginnen viele Märchen.

Es war einmal der Dorfschullehrer HEINRICH SCHULTE, der im Frühjahr 1884 mit sangesfreudigen Friedrichsdorfer und Avenwedder Bürgern den Männergesangverein in Friedrichsdorf gründete.

„Brüder reicht die Hand zum Bunde“, das erste Lied im ersten Konzert schon 1885 in den damaligen Saal Büscher, später Reker, wurde zum Leitmotiv des Gesangvereins. Jährliche Stiftungsfeste, Theateraufführungen und gesellige Zusammenkünfte halfen mit, ein harmonisches Zusammenleben der Bürger in Friedrichsdorf und Umgebung zu fördern.

 

Der 1 Weltkrieg von 1914 bis 1918 hinterließ für Verein und Ort seine schlimmen Spuren.-

“in Freud und Leid, zum Lied bereit“, getreu diesem Motto ergriffen Hermann und Otto Hauernherm (nacheinander Vorsitzende der Sängergemeinschaft), Organist Josef Schürmeyer und Dirigent Erwin Guminski die Initiative zur Neubelebung des Vereins und kreierten den Namen „Harmonie“. Unlösbar zur Geschichte „ MGV Harmonie 1884 Friedrichsdorf“ gehört Lehrer und Organist Karl Mehlhoff, der von 1933 bis 1959 als Dirigent amtierte. Die jeweiligen Vorsitzenden Hans Beller und Heinrich Rammert standen ihm zur Seite.

 

Während des furchtbaren 2. Weltkriegs von 1939 bis 1945 mussten die Vereinsaktivitäten ruhen.

Um diese schlimme Zeit möglichst schnell zu verdrängen, waren es ab 1946 wieder Karl Mehlhoff, Ehrenmitglied Hans Beller und Ehrenmitglied Heinrich Rammert, die zu frischen Taten für den Verein aufriefen. Am 02. 11. 1949 startete die erste Nachkriegsversammlung. Eine Vereinsfahne mit dem eingestickten Motto „in Freud und Leid, zum Lied bereit“ wurde 1956 vorgestellt und geweiht.

Dirigent Karl Mehlhoff, der aus gesundheitlichen Gründen 1959 die Chorleitung aufgab, empfahl den begnadeten Kirchenmusiker Alfred Heupel als sein Nachfolger, der dann auch die musikalische Leitung des Gesangvereins übernahm.

Wegen Nachwuchsproblemen beim Friedrichsdorfer Verein, wie auch beim benachbarten MGV Avenwedde (derzeit dazu noch ohne Dirigent) kam von dort durch Franz Flötotto 1969 der Vorschlag zur Bildung einer Chorgemeinschaft. Bei weiterer Selbständigkeit beider Vereine entstand eine fruchtbare musikalische und gesellschaftliche Zusammenarbeit, die seiner Zeit auf dem Gebiet der Chormusik als absolute Neuheit für Aufsehen sorgte. Wöchentlich wechselnd fanden und finden die Chorproben in Friedrichsdorf und Avenwedde statt. Neben Veranstaltungen in den jeweils eigenen Vereinen, z.B. Ständchen und Pättkesfahrten festigte sich die Chorgemeinschaft „ Männerchor Avenwedde – Friedrichsdorf“ durch Gemeinsamkeiten bezüglich Chorleiter, Chorproben, Auftritten und Konzerten, profanen oder sakralen Charakters. Chorinterne Geselligkeit wurden zusätzlich gepflegt. U. a. bei Veranstaltungen des Sängerkreises Ravensberg in der Oetkerhalle Bielefeld, Konzerten in der Stadthalle Gütersloh, im Saal Bettenworth Avenwedde, in der Hauptschule Friedrichsdorf und bei musikalischen Gottesdienstunterstützungen in Kirchen hatte der „Männerchor Avenwedde – Friedrichsdorf „ begeisterte Zuhörer.

Ende 1978 musste der beliebte Chorleiter Alfred Heupel krankheitsbedingt den Dirigentenstab ablegen. Ein Suchprozess nach einem neuen Chorleiter setzte ein. Es war nicht einfach, einen fähigen und zur Verfügung stehenden Menschen für den Dirigentenstab zu finden. Die Herren Eickholz und Kussin konnten sich nacheinander nur aushilfsweise um den Chor kümmern. Nach dem alten Sprichwort „Wenn die Not am größten – ist Gottes Hilfe am nächsten“ kam schließlich das Glück zurück!

Der Friedrichsdorfer Sangesbruder Theo Tapper schlug den ihm gut bekannten musikalisch versierten Manfred Hessler als Chorleiter vor, der schließlich ab dem 01. 01. 1980 nach erfolgreichen Verhandlungen die musikalische Leitung bei der Chorgemeinschaft übernahm.

Es begann die bemerkenswert positive „ ÄRA HESSLER“. Mit großem Elan ging der neue Dirigent an die sich selbst gestellte Aufgabe, den Chor auf ein noch höheres Leistungsniveau zu bringen.

Herausragende Ereignisse während der “ Regierungszeit“ von Walter Kunert sind die Feierlichkeiten zum 100 jährigen Bestehen des Männergesangvereins „ Harmonie Friedrichsdorf“. Der Samstag, 12. 05. 1884, war dem Gedenken der Verstorbenen mit Kranzniederlegungen auf beiden Friedhöfen gewidmet. Sonntag, am 13. 05. 1984 eröffnete eine Matinee in der Hauptschule ( später Waldorfschule ) den weiteren Festverlauf. Die Laudatio hielt der Städtische Musikdirektor, Matthias Büchel. Viel „ Prominenz“ wie der Ehrenvorsitzende und der Vorsitzende des Sängerkreises Ravensberg, der Landrat und der Bürgermeister von Gütersloh waren vertreten. Die beiden Kirchengemeinden und 24 Vereine gratulierten. Samstag, am 10. 05. 1984, lauschten viele Zuhörer dem Gemeinschaftskonzert des Männerchores mit dem Musikvereins Friedrichsdorf. Am Sonntag, den 20. 05. 1984 konnte der Friedrichsdorfer Männergesangsverein „ Harmonie“ in der Siegerlandhalle die staatliche Anerkennung zur Pflege deutschen Liedgutes, die „Zelterplakette“ aus der Hand des Kultusministers entgegen nehmen.

Ab 1987 organisierte der Chorleiter jeweils im Herbst ein Wochenendseminar für den Chor in Kalletal – Hankenegge. Hier übertrug er bei intensivem Training, aber auch lockerer Geselligkeit, das Rüstzeug für kommende Gesangsveranstaltungen, bei Bedarf von fähigen Instrumentalisten unterstützt.

Bekannt und beliebt waren die alljährlichen Osterfeuer des “MGV Harmonie Friedrichsdorf“ anfangs auf dem Hof Reker, dann auf dem Hof Rudolf Stelbrink. Wegen intensiver Bebauung der Nachbargrundstücke musste ab 1997 auf diese Veranstaltung leider verzichtet werden.

Ein Musikalischer Leckerbissen erfreute die Zuhörer 1991 in St. Friedrich mit der Uraufführung des von dem Gütersloher Musiker P. P. Smith vertonten Psalm 121 A „ich hebe meine Augen auf“.

1994 erinnerte man sich gerne an den 110. Geburtstag der „Harmonie 1884 Friedrichsdorf „ und dir Chorgemeinschaft konnte in diesem Jahr mit 80 aktiven Sängern das 25 jährige Bestehen feiern.

Eins der größten Konzertereignisse in der riesigen Chorlandschaft war das Benefizkonzert „Menschen für Menschen“ am 09. 03. 1994 im ausverkauftem großen Saal der Stadthalle. Konzertpartner der Chorgemeinschaft Avenwedde – Friedrichsdorf waren der Matthäus – Chor Gütersloh und der professionelle Berliner Männerchor „Carl Maria von Weber“. Das Konzert wurde deutschlandweit publiziert durch die Fachpresse „ Sing mit“ und „Lied und Chor“. Für die „Kinderhilfe Tschernobyl“ konnten DM 16.391.35 überwiesen werden. Erstmals zeigten sich die Sänger bei diesem Konzert in ihrer neuen Chortracht, die nach Initiative vom “Harmonie“- Vorsitzenden und späteren Ehrenvorsitzenden Reinhard Giljohann angeschafft wurde. Das „neue Kleid“, rotes Sakko und schwarze Hose kam beim Publikum sehr gut an.

In dieser Zeit kaufte der Gesangverein „Harmonie Friedrichsdorf“ auch vereinseigene Podeste, auf denen sich die Chorgemeinschaft ab 1993 bei kommenden Veranstaltungen übersichtlicher platzieren konnte.

Die anfangs für einige Sänger gewöhnungsbedürftige Anregung von Helmut Niediek, zwecks Förderung des Bekanntheitsgrades den „Männerchor Avenwedde – Friedrichsdorf“ unter den Namen „Gütersloher Männerchor“ zu fuhren, wurde schliesslich gemeinsam realisiert. Öffentliche Auftritte erfolgen nun unter „Gütersloher Männerchor Avenwedde – Friedrichsdorf“. Wolfgang Hennecke schuf dazu das sehr schöne Logo.

Nahezu alljährlich zu gleichen Zeiten wiederkehrend sind die Sänger bei “Singen im Stadtpark“, am Ehrenmal zur Gedenkfeier am Volkstrauertag und Weihnachtskonzerten zu hören.

Mit dem Chor der Matthäusgemeinde Gütersloh, Dirigent dort ebenfalls Manfred Heßler, entwickelte sich ein gutes Neben – und Miteinander. Beide Chöre veranstalteten einige Konzerte gemeinsam. Höhepunkt darunter war natürlich das Konzert „Menschen für Menschen“.

1993 stellte Manfred Heßler spontan einen Projektchor mit den Frauen seiner Chorsänger auf die Beine. Im Konzert „Freude am Leben“ wurde diese „ Schöpfung“ des Dirigenten frenetisch bejubelt.

Zum 70. Geburtstag des MGV Avenwedde schenkten die Sänger aus Friedrichsdorf ihrem Partnerverein nach Anregung von Gerhard Kahmen im Jahr 1992 einen Lindenbaum, der 1994 seinen festen Standplatz auf dem Schulhof der Kapellenschule erhielt und seitdem jedes Jahr Treffpunkt für ein geselliges Lindenblütenfest ist.

Beim Ortsjubiläum „200 Jahre Friedrichsdorf“ im Jahr 1986 beteiligte sich „Harmonie Friedrichsdorf“ mit einer Fahnenabortnung und 10 Jahre später, zum 800 jährigen Avenwedder Ortsjubiläum unterstützte die Chorgemeinschaft das grosse Konzert “Avenwedde stellt sich musikalisch vor“ in der Stadthalle.

Aussergewöhnliche Auftritte hatte der Chor u. a. im Industriepark Vossen, Gütersloh, in der Aktionsmulde in Rheda – Wiedenbrück mit dem Laipachor aus Lettland, 1991 im Heidewaldstadion Gütersloh beim Treffen der „Historischen Schützenbruderschaften“, im Mohnspark beim Konzert mit dem durch die Fischerchöre bekannten Gotthilf Fischer.

Konzertfahrten, u. a. nach Bad Bertrich, Bad Kissingen, Bad Dürkheim, Bad Bentheim, Bad Wildungen, Trier, Fritzlar, Fulda, Elsen, Radevormwald, Oppenwehe und Lettland förderten Zusammengehörigkeit bei gleichen Musikinteressen. In anhaltender und angenehmer Erinnerung bleibt auch die Chorreise 2008 nach Berlin und Potsdam.

Die Sängergemeinschaft erhielt Besuche vom Imanta – Chor aus Valmiera, Lettland, der mit uns zum 75 jährigen Bestehendes MGV Avenwedde das Konzert „Schlagt Brücken“ gestaltete. weiter begrüßten wir bei uns u. a. Sängerkollegen aus Bad Dürkheim. Das wohl größte auswärtige Chorerlebnis war die Reise nach Valmiera in Lettland 1998 mit der Teilnahme am „22. Allgemeinen Lettischen Sängerfest 1998“ in der lettischen Hauptstadt Riga. Eine tolle Gastfreundschaft brachte man uns Besuchern entgegen. Dirigent Manfred Heßler wurde zur Freude aller nach dem Besuch einer Burgruine zum „Ritter Manfred von Plettenberg“ ernannt mit „lebenslänglichem Wohnrecht in der Burg ( Ruine )“. Der Höhepunkt dieser unvergesslichen Reise gipfelte jedoch in der aktiven Teilnahme am riesigen „Lettischen Sängerfestes“ mit 185 mitwirkenden nationalen und internationalen Chören, z. B. aus Japan, Amerika, Norwegen, Österreich. Neben anderen ausländischen Mitgestaltern wurde auch der Gütersloher Männerchor vor einer unfassbar grossen Menschenmenge namentlich begrüßt. Im Festumzug mit 30.000 (!) Teilnehmern fielen die Gütersloher nicht nur durch ihre schicke Kleidung sehr angenehm auf. Immer wieder wurden sie mit Blumensträußen von den Zuschauern beschenkt.

Im Herbst 2008 lehnte Manfred Heßler sich nach einer Chorprobe in seiner bekannt lockeren Art über das Klavier und tat sinngemäß kund: „ich möchte die Leitung dieses Chores möglichst sofort aufgeben“. Die überraschten Sänger zeigten nach erklärenden Begründungen durch Manfred Heßler Verständnis für seinen Wunsch.

Das gebuchte Seminar in Hankenegge und ein geplantes Weihnachtskonzert mussten allerdings ausfallen. Aushilfsweise übernahm Petra Heßler, Tochter von Manfred Heßler, die Chorproben für Gesänge in weihnachtlichen Gottesdiensten. Mit Markus Koch, jung und vital, fand man relativ schnell einen neuen Dirigenten, der das Amt ab dem 01. 01. 2009 übernehmen konnte. Nach 2 Vorstellungsproben war jedem Sänger klar: „Der ist unser neuer Mann“! Vorbildlich und erfreulich für alle: Manfred Heßler mischt weiter im Chor mit – als Sänger im 1 Tenor!

Der Wunsch sehr vieler Friedrichsdorfer Sänger im Jahr 1991 zur Fusion der beiden Gesangsvereine in der Chorgemeinschaft konnte nicht realisiert werden.

Wegen einer für angebracht gehaltenen notariellen Sicherung des Namens „Gütersloher Männerchor“ mussten die Friedrichsdorfer alleine handeln, verzichteten auf den Namen „Harmonie“ und nennen sich seit dem 18. 09. 2000 „Gütersloher Männerchor 1884 Friedrichsdorf e. V.“, der im April 2009 das 125 jährige Bestehen feiert.

Die Jahreshauptversammlung am 06. 02. 2009 diente auch der Festlegung des Programms für die Jubiläumsfeierlichkeiten, bei denen die neugestaltete Aula der Waldorfschule ein zentraler Mittelpunkt ist.

In Zukunft wird unser Vorsitzender Hans – Jürgen Uhr „die Uhr schon richtig stellen“ und Chorleiter Markus Koch „kocht“ sicherlich die richtigen und passenden „Musikgerichte“..

 

Dieser Text wurde verfasst von Chronist Helmut Niediek.

 

 

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